Gebet

Heimweh nach Afrika

Herr,

hier in einem anderen Land denke ich an Afrika.

Und wenn ich so denke, dann kommt das Gebet von selbst.

Denn Du bist hier der Einzige, den ich kenne.

 

Herr,

Du bist der Gott Europas.

 

Herr,

Du bist der Gott Afrikas.

 

Herr,

ich sehe die dunklen, warmen Gesichter,

immer bereit zu lachen, zu reden, zu hören.

Wortbrocken in den Lorries

und auf dem Sportplatz um mich herum, die ich verstehe.

 

Herr,

Sehnsucht nach Afrika,

wo das erste Geräusch nicht der Wecker ist, sondern Vaters Stimme:

Lasset uns beten.

Afrika, milde Nächte, Geborgenheit in Dir.

Nacht ohne grelle Lichter, keine Polizeisirenen,

Nacht unter Deiner milden Gnade.

 

Herr,

Sehnsucht nach Afrika,

beten in der Sprache, die nicht nur im Hirn ist,

sondern auf der Zunge, ohne Verrenkungen, und in der Seele.

Beten in Twi, keine Wörter suchen zu den Gedanken.

 

Herr,

Du hast mich doch für Afrika geschaffen.

 

Herr,

ich möchte wieder so laut singen, wie es geht.

Und keinen Nachbarn dabei, der die Töne mit den Augen korrigiert.

Schön singen sie hier in Europa, in vielen Stimmen, und die Orgel braust oder fiedelt dazu,

aus Kunst singen sie, nicht aus Freude oder Verzweiflung.

Oder urteile ich zu hart?

 

Herr,

sich sehne mich nach den fröhlichen und erlösten Gesichtern Afrikas.

Nach den warmen dunklen Gesichtern, aus denen Deine Sonne strahlt.

 

Herr,

ich kann nicht mehr sein unter diesen gleichgültigen Gesichtern, neben diesen traurigen Augen.

Sicher ist es wieder ungerecht, gnädiger Herr, aber ich habe so eine Sehnsucht nach Afrika.

Zu Hause konnte ich besser beten, und tiefer.


Herr,

ich weiß, Du bist auch in Europa.

Aber zu Haus in unserem Dorf,

da hörte und sah ich Dich besser.

Da saß ich nicht allein auf einem Stuhl,

da klebten wir im Gottesdienst aneinander,

da trugen Gebete und Lieder der Brüder

uns direkt vor Deinen Thron.

 

Herr,

da ist der Prunk des Petersdomes,

die große Kathedrale von Köln,

doch ich sehne mich nach der Lehmkirche

am Ende unseres Dorfes.

Die unsere Großeltern zu bauen begannen,

die wir vollendeten. Unsere Kirche.

Gebaut mit unseren Händen,

mit unserem Schweiß, in vielen Gebeten.

 

Herr,

sonntags möchte ich wieder mit Deinen Leuten

auf den schmalen Bänken hocken, eng aneinander gepresst.

Keiner für sich.

In Gedanken und Gebeten sind wir alle eins.

In den Lobeshymnen wachsen wir zusammen.

Halleluja, rufen wir voller Freude.

Amen, nicken wir.

 

Herr,

und vor uns zelebriert kein Bischof,

predigt kein Bachelor of Divinity,

sondern da steht verloren der Kweku Asante.

Der einzige Anzug flattert um ihn,

seine Gebete stammelt er, auch sonst stottert er,

nur wenn er predigt, hat er Gewalt über die Worte.

Während er predigt.

 

Herr,

beten wir.

Du weißt es, wie wir darum beten,

dass er nicht stecken bleibt, dass Du durch ihn reden mögest.

 

Herr,

für manche Pfarrer hier braucht man nicht zu beten.

Die sehen so aus, als könnten sie das allein.

 

Herr,

nur selten betete ich da allein,

da betete die Familie mit, die Gemeinde, die Schule.

Und in der Sonne und im Mond,

in den Brüdern und in der ganzen Natur sah ich Dich.

 

Herr,

ich bin hier so weit weg von Dir.

Ich weiß nicht warum.

 

Herr,

ich sehne mich nach Afrika. Und durch Afrika zu Dir.

Jesus Christus hilf.

Amen